Eisenbahnkran

Umbau eines Eisenbahnkran Spur1 Märklin 54991

Ich bin ein Fan von Funktionsmodellen und besonders von Kränen. Kräne haben auf Anlagen einen großen Spielwert, wenn sie funktionieren.

Ein funktionierendes Kranmodell in Spur1 ist der digitale Eisenbahnkran 54991 von Märklin:

Das Vorbild könnte ein dreiachsiger Ardelt Kran gewesen sein.

Dieser Maxi Kran passt aber nicht mehr zu meiner Anlage. Ich hatte aus den Anfangsjahren schon mal den gleichen Kran als Spielzeugmodell in gelb. Der ist aus diesem Grund bereits wieder verkauft. Das Thema hat mich aber nicht losgelassen. Deshalb habe ich die digitale Variante gekauft mit dem Ziel, sie in ein möglichst passendes Modell zu den Profifahrzeugen zu modifizieren.

Was war zu tun:

  • Kranausleger vorbildgerechter gestalten
  • Fensteröffnungen verglasen
  • Handkurbelöffnungen verschliessen
  • Blinklicht durch Ventilatornachbildung ersetzen
  • Innenbeleuchtung durch LED ersetzen
  • Kran und Ausleger neu spritzen
  • Kranstützen neu spritzen
  • Kranschutzwagen ersetzen

Das waren alles keine großen Sachen, aber der zeitliche Aufwand summierte sich zu etlichen Stunden über mehrere Wochen.

Demontage des Krans

Ursprünglich wollte ich den Kran nicht vollkommen zerlegen. Klar war das das Krangehäuse abgeschraubt werden musste. Ebenso mussten die vier Abstützungen zum Spritzen ausgebaut werden. Den Unterwagen wollte ich zunächst möglichst komplett belassen. Er musste aber zur Entnahme der Abstützungen dann doch vollständig demontiert werden.

Bei den Probefahrten im Originalszustand gab es ein Problem: in den Gleisbögen bewegte sich das Kranoberteil nicht leicht genug und hebelte den Schutzwagen aus dem Gleis. Ich musste also an den Zahnring und den Gleitring herankommen können. Dazu musste dann doch das Kranoberteil abgenommen werden.

Verschraungung Kranrückseite

Rückwand abschrauben

Krangehäuse Oberteil abgenommen

Die Schrauben vom Kranghäuse Oberteil waren nur durch Drehen des Kranoberteils erreichbar. Es war kein Gewinde in das Oberteil geschnitten. Die Muttern befanden sich im Gehäuse und waren schwer zu erreichen. Um zukünftig keine Probleme bei Abnehmen des Oberteils zu haben, sind die Muttern jetzt mit UHU-plus eingeklebt.

Frontblech abnehmen

Einfacher wäre es gewesen, erst das Frontblech abzuschrauben !

Steuerplatine Kran 54991

Die Steuerplatine lässt sich leicht demontieren. Alle Verbindungen sind gesteckt. Darunter befinden sich die Seiltrommeln.

Kranausleger und Seilführung

Der Kranausleger ist mit einer Steckachse befestigt, die durch Sicherungsringe fixiert ist. Die Seilführung sorgt für gleichbleibende Hakenposition bei Heben oder Senken des Auslegers. Die Seillängen habe ich nach Lösen ausgemessen: Seil für den Haken 130 cm, Seil für den Ausleger 50 cm.

Zahnring und Gleitring

Um an Zahnring und Gleitring heran zu kommen, musste der Kranoberbau abgenommen werden. Er war durch mehrere Sicherungsringe und Scheiben fixiert. Der kleinste Sicherungsring für die 2mm stromführende Mittelachse war ein „spring weg“ Teil. Deshalb habe ich vorsichtshalber eine Box mit Sicherungsringen gekauft (ca 9€) und drei davon „verbraucht“. Sie liegen irgendwo auf der Anlage oder auf dem Fussboden (-:

Sicherungsringe und Unterlegscheiben zum Kranopberteil

Sicherungsringe

Ersatzteile Sicherungsringe

Zahnring mit Gleitring

Zahnring mit Gleitring

mittlere Achse vom Kranwagen

Die mittlere Achse wurde rausgenommen, um an den Kontakbolzen heran zu kommen.

Kontaktbolzen unter mittlerer Achse

Stützausleger Kranwagen

Zum Ausbau der Stützausleger musste das Fahrgestellt zerlegt werden. Es besteht aus zwei Blechbaugruppen, die die Ausleger halten. Abgebaut werden mussten die Puffer und die Kupplung. Danach 4 Schrauben von unten lösen und die beiden Platten lassen sich trennen. Die Stützausleger sind in diesem Bild schon wieder montiert.

Soweit zur Demontage des Märklin Kran. Jetzt kommt die Modifizierung.

Kranausleger vorbildgerechter gestalten

Der Kran ist im Original eine Spielkomponente aus dem Märklin Maxi Programm und daher entsprechend einfach gehalten. Das fällt besonders beim Kranausleger auf, der ein einfaches Stanz-Biege-Teil ist und zu hell lackiert ist.

Allerdings würde er in dieser Art konstruiert wenig belastbar sein. Es gibt nur eine Erhöhung des Auslegers, wo kein Bruch zu befürchten wäre: 45 Grad angehoben: dort würden die senkrechten und waagerechten Kräfte zu gleichen Teilen auf die Auslegerachse wirken

Kranauslager 45 Grad angehoben

Unter 45 Grad würde folgendes passieren:

Ausleger überlastet

Es würde zum Bruch kommen. Über 45 Grad würde das auch passieren, nur wäre der Bruch anders herum.

Karnausleger mit Querstreben

Die Rechtecke des Ausleger müssen durch Querstreben in stabile Dreiecke verwandelt werden! Dazu habe ich Profile 3x3x1 mm eingklebt:

Der Auslager wurde unten ebenfalls durch entsprechende Profile geschlossen, die allerdings in der Länge alle verschieden waren:

Klemmprofil Ausleger unten

Das waren die Modifikationen am Ausleger.

Alle Teile sind 3D-Druckteile. Man kann auch Profile 3x3x1 mm in Kunststoff kaufen, aber nur in Mengen von 10 Stangen je 30 cm – viel zu viel !

Fensteröffnungen verglasen

Dort, wo ich auch beim Vorbild Verglasung vermutete, habe ich passende Stücke Transparentfolie mit Sekundenkleber eingeklebt – natürlich nach dem Spritzen:

Fenster an der Kranrückseite

Fenster an der Vorderseite:

Fenster Kranvorderseite

Entsprechend natürlich auch am Gehäuseoberteil.

Handkurbelöffnungen verschliessen

Das Stanzteil vom digitalen Kran unterscheidet sich nicht von dem des Krans für Handbetrieb. Die Schlitze sind mit Kunststoffplättchen zugeklebt worden, ebenso der Spalt für die Einstellung des „Mäuseklaviers“ für die Kranadresse. Sie bleibt bei mir Adresse 54, da ich keine entsprechende Lok plane zu beschaffen.

Blinklicht durch Ventilatornachbildung ersetzen

Das Blinklicht auf dem Dach des Krangehäuses passt überhaupt nicht zu einem vorbildgerechten Modell. Es ist ein nettes Element für Kinder, aber hier fehl am Platz. Daher habe ich an der Stelle ein Ventilatornachbildung drauf gesetzt. Sie besteht aus folgenden Teilen:

Vetilatornachbildung

Ventilatornachbildung der Luftschlitze

Ventilator Oberteil

Oberteil zum Ventilator

Abstandsring Ventilator

Abstandsring für den Ventilator zum Gehäusedach.

Alle Teile kommen aus dem 3D-Drucker, wurden zusammen geklebt und matt schwarz gepritzt.

Innenbeleuchtung durch LED ersetzen

Die Innenbeleuchtung ist eine Lokomotivbirne aus dem Märklin Maxi Programm und in dieser Anwendung zu hell. Ich habe sie durch zwei LED in Reihe mit einem passenden Vorwiderstand ersetzt. Die äusseren Beinchen der LED sind so gebogen, dass sie direkt in den Birnensockel gesteckt werden können.

LED Beleuchtung Kran

Kran und Ausleger neu spritzen

Zum Spritzen habe ich dieses mal Sprühlack für den Modellbau verwendet:

  • TRISTARcolor RAL 6020 Chromdioxidgrün für das Krangehäuse
  • TRISTARcolor RAL 7016 Anthrazitgrau für den Ausleger

Den Ausleger habe ich mit Primer aus der Autolackspraydose vorbehandelt, da die Deckkraft des Anthrazitlacks schlechter war als die des Dioxidgrün.

Kranausleger Primerlack

Vorbehandlung Kranausleger

Spritzschutz Seilrollen

Die Seilrollen habe ich mit einem Ring aus Elektrokabel 1.5 Quadrat geschützt. Das war im nachhinein nicht nötig gewesen. Auch eine vollständig lackierte Rolle funktionierte noch einwandfrei.

Umlenkrolle spritzen

Elektrokabel hält die Seilrolle und Abstandshülsen beim Spritzen

Decklack Kranausleger

Kranausleger endgültig spritzen

Kranstützen neu spritzen

Kranstützen spritzen

Die Kranstützen wurden ebenfalls anthrazitgrau gespritzt. Die Feststellspindeln wurden abgeklebt, um die Funktion zu erhalten.

Zusammenbau des Kranwagens

Der Zusammenbau des Kranwagens war nach dem Demontieren kein Problem. Die richtige Reihenfolge war ja nun bekannt:

  • Gehäuseteile mit geeigneten Abziehbildern versehen
  • Kranstützen einbauen und die beiden Fahrgestellunterteile verschrauben einschliesslich Montage der Puffer und Kupplungshaken
  • Zahnring und Gleitring einsetzen. Den Zahnring habe ich innen fein geschliffen (600er), um die Reibung zum Gleitring zu reduzieren. Die Justierung der Reibung erfolgte mit 4 Tupfern Getriebefett auf dem Filzring des Gleitrings. Gleitring mit Getriebfett
  1.  
  • Kranoberteil aufsetzen und Unterlegscheiben und Sicherungsringe in der richtigen Reihenfolge einsetzen. Hierzu benötig man 3 Hände, die ich gerade nicht zur Verfügung hatte. Deshalb habe ich einen Styroporklotz so beschnitten, dass er unter dem Kranwagen gelegt die Kranachse nach oben drückt. So war Einsetzen der Sicherungsringe leichter möglich, wobei dennoch einige vom kleinsten Ring durch die Gegend geflogen sind (und seither als Verschollen gelten) Styroporklotz als Montagehilfe zum Kran
  • Ausleger anbauen und die Seile verlegen. Dazu die Seiltrommeln vom Getriebe wegdrücken, um die Seile spannen zu können
  • Steuerplatine einbauen und die Kabel aufstecken
  • Jetzt unbedingt Funktionstest machen !
  • Gehäuse in folgender Reihenfolge montieren:
    • Frontseite
    • Rückseite
    • Gehäuseoberteil, dazu das Kranoberteil so drehen, dass die Schrauben zugänglich sindMontagerichtung Krangehäuse
  • Mittlere Achse wieder einsetzen
  • Lüfternachbildung aufsetzen und mit einem Tropfen Kleber fixieren

Ferig ! So sieht der Kran nun aus:

Kran modifiziert

Zusammen mit dem originalen Kranschutzwagen gibt das natürlich kein stimmiges Bild ab:

Kran mod Schutzwagen alt

Aus der Blechkonstruktion des Schutzwagens lässt sich leider kein zum neuen Kran passender Waggon modifizieren. Es musste also ein neuer Kranschutzwagen her.

Kranschutzwagen ersetzen

Auf Ebay gibt es viele geeignete Flachwagen. Optimal in Preis und Ausführung war das Museumsmodell 2001:

Märklin Museumswagen 2001

Ohne Ladegut und dem Kran beigestellt sieht das schon besser aus:

Kran mit Schutzwagen

Dennoch wirk der Schutzwagen nicht stimmig passend und muss farblich angepasst werden. Dazu muss er zerlegt werden.

Flachwagen demontieren

Die Demontage war in wenigen Schritten abgeschlossen:

Die Ladefläche ist mit Schrauben am Fahrgestell befestigt. Das Bremserhaus ist nur aufgesteckt. Die Stirnseiten sind zwar verklebt, aber nach 25 Jahren ist die Haltekraft nicht mehr gegeben und sie ließen sich leicht abhebeln. Die Auflegerstütze wird im selben Abstand zur Kupplung wie beim originalen Schutzwagen montiert; wieder mit zwei Schrauben.

Flachwagen Fahrgestell

Das Fahrgestell bleibt unbearbeitet und wird wieder so montiert.

Bremserhaus Flachwagen

Das Bremserhaus wird zum Spritzen ebenfalls zerlegt: das Dach ist nur aufgesteckt, die Verglasung ist an einem Punkt verklebt, ließ sich aber abhebeln.

Flachwagen umlackieren

Alle braunen Teile wurden auch in Chromdioxidgrün neu gespritzt. Diese Farbgebung war in der Epoche die Standardfarbe für Bahndienstfahrzeuge.

Die Seitenwände der Ladefläche hätten sich nicht zerstörungsfrei entfernen lassen, also blieben sie dran und die graue Bodenplatte wurde komplett abgeklebt.

Schutzwagen lackieren

Auch die restlichen brauen Teile wurde neu lackiert, was jeweils 4 dünne Farbaufträge erforderte:

Zubehör Flachwagen lackieren

Montage Flachwagen und Beistellung zum Kran

Die Montage war genau so einfach wie das Zerlegen. Die Stirnwände wurden mit Sekundenkleber fixiert. Die Bremsspindel am Bremserhaus habe ich matt schwarz nachbehandelt. Fenster wieder einkleben, Dach drauf und fertig.

Die Beschriftungen am Flachwagenaufbau waren durch das Lackieren natürlich verloren gegangen. Die nötigsten Kennzeichnungen wurden mit Abziehbildern aus dem Kranbogen wieder angebracht.

Damit der Kranausleger bei Kurvenfahrt sich nicht den neuen Lack an der Auflegerstütze abscheuert, habe ich einen Gleitschutzbalken aus dem 3D-Drucker unter dem Ausleger mit etwas Klebstoff fixiert:

Ausleger Gleitschutz

Dann der große Moment: 

Kranwagen und Schutzwagen als Einheit

So sieht es nun aus:

Kranwagen mit Schutzwagen modifiziert

Ich bin mit dem Gesamtergebnis zufrieden. Der Spielzeugcharakter ist verschwunden. Das Ensembel passt nun gut zu den anderen Fahrzeugen auf der Anlage.

Ein paar Feinheiten sind noch offen:

  • ein Holzrahmen zum Ablegen des Kranhakens
  • eine Werkteugkiste
  • ein paar Ketten auf der Ladefläche
  • einige Eisenbahnschwellen zum Unterlegen
  • ein paar Eisenplatten als Abstützplatten in Metallnachbildung

Für die 3D-Teile habe ich einen Download vorbereitet: Kran_3D-Komponenten (zip-file). Darin enthalten sind sowohl die Entwurfs- als auch die STL-Files zum direkten Drucken.

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